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Vom Glück, ein kreatives Leben zu führen

Ich war glücklich. Ich war völlig unbekannt, und ich war glücklich. Ich sparte mein Geld und ging auf Reisen und machte mir Notizen.

Elizabeth Gilbert

Elizabeth Gilbert ist eine Bestseller-Autorin. Mit „Eat Pray Love“ schrieb sie sich in die Herzen eines Millionenpublikums. Doch bevor es soweit war, arbeitete sie unter anderem als Barkeeperin und schrieb nebenbei ein Buch nach dem anderen. In ihrem wundervollen Buch „Big Magic“ (lies es unbedingt!) beschreibt sie, dass sie vor ihrem großen Erfolg geschrieben hat, während des Erfolgs geschrieben hat und nachher auch einfach weitergeschrieben hat. Fertig, aus.

Erfolg kommt und geht. Geld kommt und geht. Mit Menschen ist es auch immer wieder so.

Doch du kannst einfach weiter produktiv sein. Du kannst schreiben. Du kannst völlig „unbekannt“ sein, wie in dem Zitat von Elizabeth Gilbert, und „glücklich“. Warum?

Weil für einen produktiven, kreativen Menschen genau dies der Kern an der Sache ist. Oder besser: Es ist das Herz des Ganzen.

Schöpferisch tätig zu sein birgt so viel Belohnung in sich, dass Geld, Ruhm, Erfolg und Ehre zu Nebeneffekten werden.

Ist es einfacher mit Geld als ohne? Ja!

Hat man mehr Zeit, wenn man nicht neben dem Schreiben noch arbeiten muss? Ja!

Ist es trotzdem wunderbar, auf der Welt zu sein, weil man schreibt, und sei es auch „nur“ nebenbei? JA!

Manchmal bleibt der Erfolg (vorerst) aus. Manchmal stellt er sich nie ein. Manchmal bleibt es für immer eine kleine, aber feine Leserschaft.

Manchmal schlägt der Erfolg einen tiefen Krater in dein Leben und danach schaffst du es nie wieder, daran anzuknüpfen.

Manchmal arbeitet man sich Schritt für Schritt, Buch für Buch nach oben. Wird immer bekannter. Begeistert immer mehr Leser.

Du kannst es nicht planen. Du kannst einiges dafür tun, ja. Aber planen kannst du den großen Durchbruch nicht. Es ist so wie in der Liebe: Du kannst dich herausputzen und du kannst deinen Partner gut behandeln. Ob er allerdings wirklich bei dir bleibt und die große Liebe ist, liegt nicht in deiner Hand.

Wir müssen loslassen lernen.

Und die Dinge, die wir aus Liebe tun, müssen wir auch dann tun, wenn wir nicht wissen, ob der „große Erfolg“ sich eines Tages einstellt. Ansonsten würdest du deinen Mann erst lieben, wenn er dir einen Heiratsantrag gemacht hat. Oder deine Kinder, wenn sie das Abitur gemacht haben.

Du liebst, was du liebst. In jedem Entwicklungsstadium. Ob klein, ob groß, ob dick, ob dünn. Während ich dies schreibe, lebe ich über den Winter in einem Haus auf Kreta. Es ist inmitten von Olivenhainen gelegen und fünf Katzen stromern im Garten herum. Eine von ihnen, ein kleiner, gestreifter Frechdachs, kommt immer zur Tür und maunzt. Dann unterhalten wir uns – griechisch-deutscher Maunz-Mischmasch.

Ich liebe sie. Ich würde sie sogar lieben, wenn sie an mir hochspränge, um mir die Augen auszukratzen. Aber das tut sie nicht. Sie klettert auf mich, wann auch immer ich draußen sitze, und lässt sich fleißig kraulen. Dabei schließt sie die Augen, streckt das Köpfchen etwas nach vorn und schnurrt.

Und ich sitze da und genieße, dass all diese Liebe durch mich hindurchströmt, durch meine Hände, mein Herz, mein ganzes Sein. Einfach weil da eine Katze ist, die sich an mich schmiegt und schnurrt, während ihre kleinen Krallen sich in mein Hosenbein bohren. Sie kann nichts dafür. Sie hält sich nur fest.

Es tut gut, zu lieben. Und bei aller Suche nach Liebe, die in unsere Kultur eingeschrieben ist, ja regelrecht hineingehämmert ist („Suche die Liebe, du musst sie finden!“) – eigentlich sind wir Wesen aus Liebe und wir möchten sie ausleben.

Was wäre, wenn wir sie in alles hineingeben, was wir tun. Selbst in den Brot-Job, der uns manchmal nur recht kleine Brötchen backen lässt. Selbst in die Partnerschaft mit unserem grantligen Partner, der sich gerade einfach nur selbst nicht mag. Selbst in das leere Bankkonto, selbst in die leere Seite, die danach zu hungern scheint, gefüllt zu werden.

Und ich frage dich: Möchtest du deine Bücher, dein Schreiben, ja dich selbst als Autor*in lieben, egal wie viel „Erfolg“ du hast oder nicht? Viele Autorinnen und Autoren behaupten von sich, das Schreiben nicht zu lieben. Es erscheint ihnen eher eine Obsession zu sein, eine Leidenschaft, die sie nicht loslässt, die sich aber niemals erfüllt.

Ich glaube, was sich nicht erfüllt, ist entweder ihr Wunsch nach Perfektion (vergiss es) oder die Hoffnung auf Erfolg (mach einfach weiter). Das Schreiben selbst kann äußerst warm, heilsam, nährend und sinnlich sein. Es kann darf dich beglücken.

Und das wird es.

Wenn du es lässt …

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