Buch schreiben,  Freude & Flow,  Schreiben & Leben

Das Leben schreibt die besten Geschichten?

Ideen kommen von überall – meinem Leben, allem was ich sehe, höre, lese und vor allem aus meiner Fantasie.

Judy Blume

Das ganze Leben wird zur Inspirationsquelle – ist das nicht herrlich? Die Diskussion unter Freunden, der Streit mit dem Partner, die Nachrichten, ein zufällig mitgehörtes Gespräch im Café oder der U-Bahn …

… es erscheint fast magisch, wenn plötzlich immer wieder etwas auftaucht, das man für das Buch nutzen kann. Nüchterne Gemüter nennen das „selektive Wahrnehmung“. Man sieht das, worauf man seine Aufmerksamkeit richtet. Eine junge Mutter sieht vielleicht überall Kinderwagen. Ein Mann auf der Suche nach Liebe sieht überall ein Lächeln, das vielleicht ihm gilt. Und wir als Autoren sehen immer und überall Material.

Wir biegen die Wirklichkeit so hin, dass sie in unser Buch passt (außer bei Sach- und Fachbüchern natürlich – doch auch dort treffen wir eine Auswahl, worüber wir berichten und reflektieren).

Angenommen, du schreibst ein Buch über Jugendliche und ihre Sehnsucht danach, zu einer Gruppe dazuzugehören. Plötzlich findest du dich in der Straßenbahn sitzend wieder und beobachtest eine Gruppe Mädchen dabei, wie sie über ein nicht anwesendes Mädchen sprechen. Sofort fällt dir etwas ein, um dieses Phänomen zu erklären und zu erläutern. Und den richtigen Einstieg ins Kapitel hast du auch gefunden – nämlich diese Szene, die es sicherlich öfter zu beobachten gibt.

Oder du schreibst eine spannende Geschichte über eine Frau, die in einem Haus eingesperrt ist zusammen mit einem Killer. Sie ist draußen auf dem Land, das Auto ist kaputt und überall sind nur weite Felder. Wenn sie entkommen will, dann am besten, indem sie den Killer aus dem Weg räumt … doch wie?

Plötzlich sitzt du beim Grillen mit Freunden und die neue Bekanntschaft deines besten Kumpels hat sich gerade ein Haus angesehen, das erstaunlicherweise zwei Kellergeschosse hat. Sehr ungewöhnlich, aber es hatte wohl mit der Angewohnheit der früheren Bewohner zu tun, im Hochsommer ihr gesamtes Leben nach unten zu verlegen. Zwei Kellergeschosse sind äußerst selten, weil es viel mehr kostet, aber es ist absolut möglich.

Spontan überlegst du, ob das Haus, in dem deine Handlung spielt, nicht auch über einen solchen zweiten Keller verfügen sollte – und dann fragst du dich, wer ihn zuerst entdeckt, die Hauptfigur oder der Killer.

Ob es nun Zufall ist, Magie oder selektive Wahrnehmung ist eigentlich egal. Hauptsache ist ja, dass du offen bist für die Inspirationen, die das Leben bietet. Als Autor*in sollte man nicht mit Scheuklappen durchs Leben laufen. Schon um die nächste Ecke kann nicht nur das Schicksal auf dich warten, wie man so schön sagt, sondern auch die nächste Idee!

Ich nenne es immer Magie – weil ich es viel schöner ist, die Welt so zu sehen. Es fühlt sich für mich oft so an, als würde mir das Buch oder die Inspiration oder die Muse alles zutragen, was ich brauche, um das Buch fertigzuschreiben. Ich hatte einmal sogar eine Klientin, die exakt mit dem gleichen Problem zu mir in eine Buch-Klarheitssession kam, das ich im nächsten Kapitel von „Das Monster unterm Autoren-Bett“ schreiben wollte. Schwupps – hörte ich mir selbst beim Reden zu und schrieb später auf, was ich der angehenden Autorin geraten hatte. Dieses Mal wurde ich sogar fürs Inspiriertwerden bezahlt!

Das Buch war wirklich nett zu mir! 😉

Vielleicht ist es ja so, dass die Musen oder der göttliche Funke oder eben die nüchterne selektive Wahrnehmung uns dabei hilft, dem Ausdruck zu verleihen, das durch uns geschrieben werden möchte. Vielleicht werden wir nicht alleine gelassen, sobald wir uns hinauswagen ins noch unbekannte Gebiet dessen, was wir schreibend erkunden werden. Vielleicht lieben die Götter jene, die ebenfalls schöpferisch tätig sind.

Wer weiß?

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